„Gott geht mit!” - und das Publikum auch


Susanne Meyer-Löwen, Lehrerin am BCGK, lächelt selig beim Verlassen der Kirche. „Das war eine so schöne Musik! Und so berührend, auch die Texte!” Auch die Augen von Marie, Schülerin der 8b, strahlen begeistert. Standing Ovations und zwei Zugaben hinterließen den Eindruck: Der heutige Konzertabend war etwas Außergewöhnliches.

Das 16. Cusanus-Konzert am Dienstag, den 24. September in St. Florin stand ganz im Zeichen des Werkes von Klaus Wallrath. Der Kantor und Chorleiter an der Düsseldorfer Basilika St. Margareta ist Träger des Titels „Musikdirektor ACV”, eine Auszeichnung, die seit Gründung des Allgemeinen Cäcilien-Verbands bisher nur dreimal vergeben wurde. Der Titel würdigt hervorragendes und langjähriges künstlerisches und pädagogisches Engagement in der Kirchenmusik und gilt als Leistungszertifikat. Musikalisch reicht dabei Wallraths Spektrum vom gregorianischen Choral über klassische Meisterwerke, zeitgenössische Musik und Jazz bis hin zum Kindermusical.

Christian Rivinius, Chorleiter, Musiklehrer und Hauptorganisator des musikalischen Genuss-Abends eröffnet den Reigen der Stücke mit der „Prélude à la Polonaise” für Orgel solo. Wallraths Stück erfüllt dabei die Erwartungen von Publikum wie Spieler gleichermaßen: Leichte Spielbarkeit mit sparsamem Pedaleinsatz und eine Klangwirkung, die das Festlich-Feierliche in den Vordergrund stellt, um die Gemeinde in kürzester Zeit in die rechte Stimmung des Gottesdienstes zu versetzen. 

Die Motette „Gott liebt diese Welt”, ursprünglich als Kirchenlied von Walter Schulz 1962 komponiert, führt textlich und musikalisch der Zuhörer von der Erscheinung des göttlichen Kindes über die Passion in die österliche Erlöstheit. Das Wechselspiel zwischen den zarten Kinderstimmen der 6. Klassen des Cusanus-Gymnasiums, den volleren Frauenstimmen des Projektchors CantArte und des Schulchors des BCGK, dem ungemein brillant spielenden Blechbläserensemble und dem vollen Sound des gesamten Chores mit seinen starken Männerstimmen lässt dabei die schlichte Melodie zu einem symphonischen Gesamtklang mächtig anschwellen.

Meditativ wird es im „Choral varié”. Dessen Grundlage ist eine schlichte Melodie aus Lettland, die Rivinius an der Orgel mit leichtem Fuß in sieben geschickt registrierten Variationen vorführt, denn das Kabinettstück wurde nur für das Pedal der Orgel geschrieben.

Die Liedmotette „Eine große Stadt entsteht” (Text S. Walter/Melodie J. A. Saladin) scheut sich nicht, die Parusie-Erwartungen des Liedtextes in Spannung zu setzen mit der Disharmonie moderner Kompositionstechnik. Es zeigt viel von der musikalischen Qualität des Christian Rivinius, dass er die jungen Bläser des BCGK-Ensembles in den Stand versetzt, auf Augenhöhe mit professionellen Unterstützungskräften - wie etwa Thomas Maur und sein Team - zu spielen und schwierigste Tempi und Disharmonien zu meistern. 

Aber die Teamfähigkeit der Fachbereichs Musik kommt gleichermaßen zum Tragen, haben doch Wolfram Hartleif und Julia Schinhofen, die als Dirigentin debütiert, die Unterstufenchöre bis zur Aufführung geleitet. Nun stehen über hundert Sänger und 10 Musiker auf dem Podest, bereit, den Lohn für die vielen Extraproben einzuheimsen:

Die Franziskusmesse „Gott im Anderen begegnen“ entstand 2013 als Auftragsarbeit für die Chöre der Kreisdekanate Gummersbach und Altenkirchen. Die Textarbeit übernahm Raymund Weber, bekannter Autor des Schule des „Neuen Geistlichen Liedes”. Die Messe ist komponiert für Kinderchor, gemischten Chor, 2 Trompeten (Thomas Maur, Frank Schneider), 2 Posaunen Sandra Schneider, Florian Mitnacht), Klavier (Janni Spitz), Bass (Eduard Rosenbach) und Schlagzeug (Markus Möwis). Andreas Wolf (Waldhorn) und Torben Pötter (Tuba) rundeten das Klangbild ab.

Die Pop-Messe bedient sich dabei aller zur Verfügung stehenden Mittel: tänzerische Walzer wechseln mit rockigen Rhythmen; ein zum Schunkeln einladendes Gloria stößt auf ätherische Raumschiff-Enterprise-Klänge; es wird jazzig synkopiert in verzwickten Kanons, aus denen ein begeistertes Halleluja-Jubeln erwächst; asiatisch anmutende Pentatonik stößt auf Edgar-Wallace-Krimimusik; Wechselgesänge zwischen Kinderchor und Erwachsenenchor erzeugen Spannung und eine Fünfstimmigkeit mit ungeheurer Strahlkraft und Wucht.

So kommt die frohe Botschaft „rüber”. Am Ende ist es nicht nur Gott, der „mitgeht”, wie es im Text des Schlussliedes heißt, sondern das ganze Publikum geht mit, wenn es in begeisterten Applaus und Jubel ausbricht. Schulleiter Carl Josef Reitz sieht darin in seiner Dankesansprache eine Hoffnung der Kirche von morgen.

Dass Klaus Wallrath die Zugabe höchstselbst mit energetischer Körperspannung dirigiert, ist das Glanzlicht des Abends, der so reich an musikalischem Funkeln war.

Ein Dank geht an die evangelische Kirchengemeinde, die dem Cusanus-Gymnasium freundlicherweise die einstige Kirche seines Schulpatrons wieder zur Verfügung gestellt hat, an alle Kräfte, die beim Podest-Auf- und -Abbau Hand angelegt haben, an die engagierten Eltern unserer Schülerinnen und Schüler, an alle Sänger, Musiker und Chorleiter, an Frau Fresenius für die Organisation des Umtrunks danach und nicht zuletzt an Christian Rivinius für die mühevolle und höchst erfolgreiche Gesamtleitung.

Von Peter Marković

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