Fächerverbindende Exkursion der Klasse 10a


Eine leergeräumte Kirche: keine Bänke, keine Heiligenbilder oder –statuen, auch kein Kreuzgang mehr. Für 28 Tage ist die Pfarrkirche St. Matthias in der Innenstadt von Neuwied ein sakraler Ort, in dem Künstler*Innen mit der Leere umgehen, um die leere Kirche mit Neuem zu füllen. Grund genug, die Themen der Fächer Religion (Was macht einen sakralen Raum aus?) und Französisch (Demain, n’est pas loin; Zukunftsperspektiven, Auseinandersetzung mit Wünschen, Vorstellungen und eigener Identität) sowie mit dem baldigen Sozialpraktikum zu verknüpfen.

So lauteten die Reaktionen der Schülerinnen und Schüler nach einem Rundgang durch die neogotische Kirche: „Wozu wird das veranstaltet?“, „Was hat das mit (der) Kirche zu tun?“ oder „Was hat das mit mir zu tun?“. Auch der beobachtete Tanz von Jana Schmück (Bautzen) hinter Gittern einer Altarnische erstaunte. Diese Irritationen aber auch die geweckte Neugierde wurden anschließend in präzise Fragen umgewandelt, die die anwesenden fünf Künstler*Innen „passioniert“ (Svenja) beantworteten. Das diese „kecken“ Künstler*innen den Begriff der Kunst jeden Tag auf’s Neue sich selbst erarbeiten müssen, erstaunte und animierte zu weiteren Fragen: „Wo denn dann Kunst z.B. aufhöre, wenn alles Kunst sein kann?“ (Ronny). Hier erläuterten die Ausstellungsmacher*Innen z.B. den Beuys‘schen Anspruch, jeder Mensch sei ein Künstler. Denn der schöpferische Moment der Idee und der Vorstellung sei allen Menschen gegeben, aber die Realisierung sowie die praktische Umsetzung eines künstlerischen Handwerks bedürfen der Verdichtung. So belebte auch der angeleitete Selbstversuch, einen freigelegten Beichtstuhl zu erklettern, das betagte Möbel und machte ihn zu einem Gegenstand menschlicher Interaktion mit einem gegebenen Raum. Auch der bereits beobachtete Tanz in der Altarnische erschloss sich dann zu einem Suchen nach Grenze und Freiheit, der auch als ein persönliches, individuelles Suchen nach Zukunfts-wegen verstanden werden kann. Die Video- und Performancekünstlerin Berrit Jäger wie der Musiker und Komponist Joachim Schneider forschen in einer ähnlichen Richtung: Sie erklärten ihr aktuelles Vorhaben, eine neue Rosette vor die Orgel zu hängen, auf die verschiedene in St. Matthias entstandenen Videos über die Leere und das neue Füllen projiziert werden.

Während des mittäglichen spirituellen Impulses, dem Business break, leitete die Malerin Paula Müller (Stade/Berlin) alle etwa 60 anwesenden Personen an, sich zehn Minuten dem automatischen Schreiben zu widmen, also in dieser Zeit unter Einfluss der Stimmung und des Ortes, Worte ohne abzusetzen zu Papier zu bringen. Begleitet wurden diese Minuten durch meditative Klangvariationen der Musikerin Nathalia Grootenhuis (Mainz). Nach einem gemeinsamen Mittagessen auf den Altarstufen und dem erwähnten Künstlergespräch ging es bereits nach Koblenz zurück. Was nun wirklich im „Matthias Garten“ (Paula Müller) bei jedem der Teilnehmer*Innen entstanden ist, wird sich in den gemeinsamen Reflektionen im Unterricht zeigen.

 

Für mehr Infos zum Projekt ION: https://projekt-ion.org

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